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Deutsche Literatur

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Faust

Leben des Galilei

Nathan der Weise

Die Räuber



Brecht: "Leben des Galilei"

Autor Entstehung Inhalt Wertung Historie



"Ich, Galileo Galilei, Lehrer der Mathematik und Physik in Florenz, schwöre ab, was ich gelehrt habe, daß die Sonne das Zentrum der Welt ist und an ihrem Ort unbeweglich, und die Erde ist nicht Zentrum und nicht beweglich. Ich schwöre ab, verwünsche und verfluche mit redlichem Herzen und nicht erheucheltem Glauben alle diese Irrtümer und Ketzereien sowie überhaupt jeden anderen Irrtum und jede andere Meinung, welche der Heiligen Kirche entgegen ist."

Widerruf Galileis, 1633




a) Der Autor

Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren und starb am 14. August 1956 in Berlin. Brechts unsystematisches Studium der Naturwissenschaften, der Medizin und vor allem der Literatur wurde 1918 durch seinen Dienst als Sanitätssoldat in einem Lazarett unterbrochen, eine Zeit, die ihn zum erbitterten Kriegsgegner machte. In diesem Jahr schrieb er sein erstes, anarchistisch-nihilistisches und expressionistisches Drama „Baal“, dem neben Theaterkritiken und Kurzgeschichten „Trommeln in der Nacht“ folgten. „Baal“ wurde 1922 an den Münchner Kammerspielen - wo Brecht als Dramaturg wirkte - uraufgeführt und begründete seinen Ruf als Dramatiker. 1924-26 war Brecht Dramaturg bei Max Reinhardt in Berlin und studierte gleichzeitig intensiv den Marxismus. 1927 wurde „Mann ist Mann“ uraufgeführt und seine erste Gedichtsammlung „Hauspostille“ herausgegeben. Ein Jahr später errang er mit der von Kurt Weill vertonten „Dreigroschenoper“ einen Welterfolg. Mit den „Anmerkungen zu Mahagonny“ formulierte Brecht 1928 erstmals seine Vorstellungen vom „epischen Theater“, in dem den Zuschauern keine Illusionen geboten werden, sondern echte Konflikte, die sie aktiv mit durchdenken und entscheiden sollen. Weniger theoretisch als die sozialistischen Lehrstücke, darunter „Der Jasager“ und „Der Neinsager“ (1930) und „Kleines Organon für das Theater“ (1948), waren seine Dramen, die politische Verhaltensweisen behandelten wie „Die hl. Johanna der Schlachthöfe“ (1929-31) und „Die Mutter“ (1931-32). 1933 flüchtete Brecht, inzwischen überzeugter Sozialist, mit seiner Frau Helene Weigel durch viele Länder, bis sie 1941 in die USA gelangten. Zwischenzeitlich (1935-39) war er in Moskau Mitherausgeber der Exil-Monatsschrift „Das Wort“ und schrieb satirische Gedichte für den Deutschen Freiheitssender. Die Zeit der Emigration war Brechts fruchtbarste Schaffensperiode. So entstanden neben anderen Meisterdramen „Leben des Galilei“ (1938), „Mutter Courage und ihre Kinder“ (1939) und „Der kaukasische Kreidekreis“ (1944/45). Außer Gedichten, die den marxistischen Dichter als politischen Moralisten erscheinen lassen, entstanden realistisch-aktuelle Dramen wie „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ (1934-38) und „Das Verhör des Lukullus“ (1939).
Nach dem Krieg ging Brecht, dem die Alliierten die Einreise in die Westzonen verweigerten, nach Ost-Berlin. Mit seiner Frau gründete er 1949 das „Berliner Ensemble“, das zur eigenständigsten und wichtigsten Experimentierbühne Europas heranwuchs.
Brechts vielseitige dramatische Dichtung, verbunden mit stetem Klassenkampf, hatte den Zwiespalt zwischen menschlicher Freiheit und sozialer Gerechtigkeit, zwischen dem Glücksverlangen des einzelnen und der Notwendigkeit des Opfers an die Gemeinschaft zum ständig wiederkehrenden Thema. Seine teils realistischen, teils grotesken und satirischen Erzählun-gen, Gedichte, Balladen und Moritaten machten ihn trotz seiner äußerlichen Bejahung der kommunistischen Weltanschauung zu einem der einflußreichsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Aber die Resignation in Brechts Werken aus der Zeit nach dem Bau der Berliner Mauer ist unverkennbar, ebenso wie die Hohlheit der satirischen Feierlichkeit der politischen Huldigungsgedichte.
Zu Brechts Werken gehören u. a. Romane, Hörspiele, Dialoge, Pamphlete, Prosa und das Ballett „Die sieben Todsünden (der Kleinbürger)“ (1933) mit Vorlagen aus der gesamten Weltliteratur. Posthum veröffentlicht wurden seine Schriften über Literatur, Kunst, Politik und Gesellschaft.

Brechts Formen des Theaters

Brecht war Lyriker, Erzähler und vor allem Dramatiker. Er gilt als Schöpfer einer neuen Form des Theaters, das „epische Theater“. Seine Ansichten über diese neue Form hat er in 15 Heften „Versuche“ niedergelegt. 1957 wurden diese unter dem Titel „Schriften zum Theater“ herausgegeben.
Beim epischen Theater werden die Szenen ohne dramatischen Aufbau nebeneinander gereiht. Mit dieser Form des Theaters versucht Bertolt Brecht durch die erzählende Form, durch Provokationen, Ansagen und Spruchbänder den Zuschauer aus seiner passiven Haltung zu lösen und ihn zu kritischer Stellungnahme zu bewegen. Es soll nicht Furcht oder Mitleid erzeugt, sondern lehrreich gezeigt werden, wie der Mensch sich verhält oder verhalten soll. Zu diesem Zweck laufen Brechts Stücke nicht wie im Theater üblich zu Höhepunkt, Katastrophe und Lösung zu, sondern werden immer wieder argumentierend durch Songs unterbrochen. Der Schauspieler muß aus dem Illusionsstil gelöst und der Zuschauer zum Nachdenken über das Gezeigte angeregt werden. Der Schauspieler darf sich nicht vollends in seine Rolle vertiefen. Er ist nicht die Person, er spielt sie nur.
Brecht stellte seine Form des Theaters dem dramatischen Theater gegenüber:
 

Dramatische Form

Epische Form

 

 

handelnd

erzählend

verwickelt den Zuschauer in die Bühnenaktion

macht den Zuschauer zum Betrachter

ermöglicht ihm Gefühle

erzwingt von ihm Entscheidungen

Suggestion

Argument

er Zuschauer steht mittendrin

der Zuschauer steht gegenüber

er erlebt

er studiert

Mensch als bekannt vorausgesetzt

Mensch als Gegenstand der Untersuchung

der unveränderliche Mensch

der veränderliche und verändernde Mensch

Spannung auf den Ausgang

Spannung auf den Verlauf

eine Szene für die andere

jede Szene für sich

des Denken bestimmt das sein

das gesellschaftliche Sein bestimmt das Denken

Gefühl

Ratio

Seine wichtigsten Werke

1. Bühnenstücke

„Baal“ (1918)
„Trommeln in der Nacht“ (1919)
„Im Dickicht der Städte“ (1923)
„Mann ist Mann“ (1926) - Lustspiel
„Die Dreigroschenoper“ (1928)
„Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ (1928/29)
„Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ (1929/30)
„Die Gewehre der Frau Carrar“ (1937)
„Das Leben des Galilei“ (1938)
„Mutter Courage und ihre Kinder“ (1938/39)
„Die Tage der Kommune“ (1945)

2. Erzählende Dichtung

„Der Dreigroschenroman“ (1934)
„Kalendergeschichten“ (1949)
„Geschichten vom Herrn Keuner“ (1948)
„Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar“ (1949)
„Flüchtlingsgespräche“ (1961)

3. Lyrik

„Hauspostille“ (1927)
„Lieder, Gedichte, Chöre“ (1939)
„Svendborger Gedichte“ (1939)
„Hundert Gedichte 1918 bis 1959“ (1951)
„Die Erziehung der Hirse“ (1952)

b) Entstehung des Werkes

1. Dänische Fassung (1938 / 1939)

Brecht war auf der Flucht vor Hitler in Dänemark, als er die erste Fassung des Stückes schrieb. Er informierte sich über die historische Figur Galileis und ließ sich durch Assistenten des dänischen Atomphysikers Niels Bohr in naturwissenschaftlichen Einzelfragen sachkundig machen. Brecht selbst sagt:
"Das 'Leben des Physikers Galilei' wurde in jenen finsteren Monaten des Jahres 1938 geschrieben, als viele den Vormarsch des Faschismus für unaufhaltsam und den endgültigen Zusammenbruch der westlichen Zivilisation für gekommen hielten."
In dieser Zeit las Brecht auch in dänischen Zeitungen die Nachricht, daß im Deutschen Reich dem Physiker Otto Hahn und seinen Mitarbeitern die Spaltung des Uran-Atoms gelungen sei. Der dadurch möglich gewordene Bau einer Atombombe hätte Hitlers Triumph perfekt machen können. In dieser Situation lag es nahe, sich anhand der exemplarischen Gestalt Galileis mit der Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft zu beschäftigen. Allerdings schien Brecht zunächst in der Wissenschaft durchaus auch eine Kraft zu sehen, die ihre Erkenntnisse listig gegen den Zugriff der Mächtigen bewahren kann und damit ein Beispiel des Widerstandes liefert. Die erste Fassung wurde am 7.9.1943 am Züricher Schauspielhaus uraufgeführt.
Die Schweizer Zeitungen faßten in ihren Rezensionen Galilei als Sieger auf, weil seine neue Wissenschsft sich schließlich doch durchgesetzt habe. Brecht stellte nun mit Unwillen fest, daß offenbar der Eindruck entstanden war, er als Autor billige den Widerruf seines Galileis. Später schrieb Brecht zu diesem Thema:
"In der ersten Fassung des Stücks war die letzte Szene anders. Galilei hatte in großer Heimlichkeitdie "Discorsi" geschrieben. Er veranlaßt anläßlich eines Besuchs seinen Lieblingsschüler Andrea, das Buch über die Grenze ins Ausland zu schmuggeln. Sein Widerruf hatte ihm die Möglichkeit verschafft, ein entscheidendes Werk zu schaffen. Er war weise gewesen. In der kalifornischen Fassung bricht Galilei die Lobeshymnen seines Schülers ab und beweißt ihm, daß der Widerruf ein Verbrechen war und durch das Werk, so wichtig es sein mochte, nicht aufgewogen. Wenn es jemanden interessieren sollte, dies ist auch das Urteil des Stückeschreibers."

2. Amerikanische Fassung (1945-1947)

1945 lebte Brecht seit einiger Zeit in Kalifornien in den USA. Hitlers Ende war nun absehbar. Mit dem berühmten Schauspieler Charles Laughton, der die Titelrolle spielen sollte, arbeitete Brecht an einer Übersetzung des "Gailei" ins Englische und an einer Aufführung (1947 realisiert). Da erreichte ihn die Nachricht vom Abwurf einer amerikanischen Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima. Dies wurde für ihn zum Anlaß, eine zweite, veränderte Fassung des Stücks zu schreiben:
"Von heute auf morgen las ich die Biographie des Begründers der neuen Physik anders. Der infernalische Effekt der Großen Bombe stellte den Konflikt des Galilei mit der Obrigkeit seiner Zeit in ein neues, schärferes Licht."
Brecht fragte sich nun, wieso die wissenschaftlichen Fortschritte sich derart von den Interessen der Menschen, von Freiden und einem möglichst gerechten und guten Leben, entfernen konnten. Die Antwort suchte er in der Figur des Galilei, wie er sie jetzt sah. In neu eingefügten bzw. veränderten Szenen wurde Galilei zum Verräter, der sich selbst den Mächtigen auslieferte, statt die Hilfe des Eisengießers Vanni anzunehmen.

3. Berliner Fassung (1954-1956)

Wieder hat sich die Situation völlig gewandelt. Nach seinem Verhör in den USA durch Kommunistenjäger ist Brecht in die DDR gegangen, den kommunistischen Staat auf deutschem Boden. Dies entspricht einerseits seiner politischen und gesellschaftlichen Überzeugung, andererseits hat man ihm ein äußerst verlockendes Angebot gemacht: Im "Theater am Schiffbauerdamm" in Ostberlin, soll eine Bühne nur für seine neue Auffassung vom Theater entstehen. (Dieses Theater, "Berliner Ensemble" genannt gibt es bis heute.) Im "Berliner Ensemble" führte man den "Galilei" 1957 (nach Brechts Tod) auf. Für diese Aufführung hatte Brecht die dritte Fassung geschrieben. Sie unterscheidet sich nicht wesentlich von der amerikansichen Fassung- Das Pendel scheint ein wenig zurückzuschwingen, wenn etwa die "Rede auf die neue Zeit", die das Pathos des großen Wissenschaftlers Galilei zeigt, wieder auftaucht. Zugleich wird aber die negative Zeichnung und Selbstverurteilung Galileis erneut verschärft. Zum Beispiel tritt die Forderung nach einem hippokratischen Eid hinzu, die verdeutlichen soll, welche große Chance Galilei durch seine Feigheit vertan hat.

c) Der Inhalt

Das Stück spielt im Italien der frühen Neuzeit. Galileo Galilei, Lehrer der Mathematik in Padua, will das neue kopernikanische Bild des Universums beweisen.

Hintergrund - Alte und Neue Wissenschaft

Die über Jahrhunderte maßgebliche Auffassung des griechischen Philosophen Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) und des Astronomen Ptolemäus (100 - 160) besagt: In der Mitte des Kosmos befindet sich die Erde. Die Planeten und Sterne, einschließlich des Mondes und der Sonne, umkreisen sie, befestigt an kristallinen Sphären („Glaskugeln“). So sieht es auch die Kirche als gottgegeben an. (Geozentrisches Weltbild)

Der Astronom Nikolaus Kopernikus (1473-1543) widersprach diesem Weltbild. Er meinte: Die Erde umkreist die Sonne. Diese steht im Mittelpunkt des Alls. Welche Gesetzmäßigkeiten satt der Sphären die Planeten auf ihren Bahnen halten, finden die Wissenschaftler erst später heraus. (Heliozentrisches Weltbild)

Kurzinhalte der einzelenen Bilder

Szene

Jahr

Ereignisse

 

 

 

1

1609

Galilei beschwört "neue Zeit"

2

1609

Fernrohr „erfunden“

3

10.01.1610

Umsiedlung nach Florenz

4

1610

Unglaube besiegt Vernunft (keiner schaut ins Fernrohr)

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